Dienstag, 23. Juni 2026

KW 26, Heiße Woche

Montag
Maxi musste heute leider als Trainer absagen und so fuhr ich zum Dojo, um für mich einfach Keris und Katas zu trainieren.
Vor Ort bot sich dann Marc an, uns in sein Bunkaitraining zu nehmen und Bunkai und Selbstverteidigung zu trainieren.
Bunkaitraining mit Marc ist für mich immer ein Highlight, da es sehr realitätsnah ist und so freute ich mich auf dieses Training. Draußen waren 29 °C und im Dojo tropisch feuchtwarm.

Wir begannen mit Clinchübungen:
Beide halten mit der jeweils rechten Hand am vorderen Kragen, die andere Hand liegt auf der Hand des Gegners. Beide Hände kontrollieren somit den Gegner und nun versuchten wir uns gegenseitig zu ziehen und zu drücken und den Gegner zu kontrollieren.
Danach wieder mit beiden Händen halten, mit Tritten zum Schienbein ablenken und dabei immer mal einen Schwinger von rechts oder links, versuchen darunter durchzutauchen und versuchen sich hinter den Partner zu drehen. Mit beiden Händen an den Schultern halten und in eine Kniekehle treten und den Gegner somit zu Fall zu bringen.

Weiter mit Renzoku, also Aufeinanderfolge zweier Techniken:
- Eine Hand (beide rechts oder beide links) Zuki, die andere Hand von außen Te Nagashu Uke, Wechselspiel von Stoß und Abwehr. Die Hände bleiben dabei oben, um den Kopf immer zu schützen.
- Wie zuvor z.B. P1 mit rechts Kizami Zuki, P2 mit links von außen Gyaku Te Nagashi Uke, die rechte Handaußenfläche (Haishu)  übernimmt dahinter im Ellenbogenbereich und führt den Weg des Arms von P1 fort, die rechte Hand drückt dann den Oberarm von P1 zum Körper von P1.
- P1 mit rechts Kizami Zuki, P2 mit mit links von außen Te Nagashi Uke und die rechte Handaußenfläche übernimmt dahinter im Ellenbogenbereich. Mit diesem Block dreht sich P2 aber schon um 90° im nach links raus. Mit der Übernahme durch die rechte Hand wird der gegnerische Arm mit rechts gehalten / fixiert und es folgt ein Stoß mit links zum Kopf des Gegners.

Shuto Uke von innen:
- Beide links vor, P1 Kizami Zuki. P2 mit links Te Nagashi Uke, mit rechts den Ärmel greifen und zu sich heranziehen, gleichzeitig mit linker Hand Shuto Uke zum Hals.
Shuto Uke von außen:
- Beide links vor, linker Kizami Zuki von P1. P2 mit rechts Gyaku Te Nagashi Uke von außen nach innen. Mit links Haishu übernehmen und sich dabei nach rechts um 90° rausdrehen, so dass rechter Fuß hinten ist.
Dann
a) mit rechts Schritt vor und unter das vordere linke Bein von P1. Dadurch wird P1 ausgehebelt. Mit dem hebelnden Schritt mit dem rechten Arm über die Brustseite des Gegners zur hinteren Schulter und ihn über das vordere Bein nach hinten werfen.
b) von außen gegen das vordere Knie von P1 treten und Gegner zu Fall bringen.

Age Uke:
- Beide links vor, linker Kizami Zuki von P1, P2 Gyaku Te Nagashi Uke von außen nach innen (Ausholbewegung des Age Uke). dann mit eigentlichem Age Uke Arm von P1 übernehmen, Rechter Haken in jetzt freien Rippenbereich.

Bei allen Übungen gingen wir mit dem Block zum Gegner bzw. in den Gegner hinein. So wie die meisten Katas es auch zeigen, mit dem Block geht es zum Gegner, nicht zurück, Druck nach vorn.

Zuletzt liefen wir 3x die dazu passende Kata Heian Nidan. Natürlich mit Druck nach vorn.

Nachtrag:
Fast hätte ich doch die Kakie-Übung vergessen! Kakie (übersetzt "klebende Hände") sind Nahkampfübungen, bei welchen man im Clinch kontinuierlich den Hand- bzw. Unterarmkontakt zum Partner hält und auf Druck- und und Schubbewegungen reagiert. Die Bewegungen sind meistens schiebend und kreisend und durch den kontinuierlichen Kontakt braucht man nicht auf die Bewegungen schauen, sondern diese werden gefühlt.
Wir trainierten erst einmal mit einer aktiven Hand. Beide rechte oder linke Hand vor, Kontakt zum Partner über Handgelenk und Shuto (Handaußenkante), die andere Hand mit Handinnenfläche nach oben, unterhalb vom Solarplexus. P1 versuchte nun zum Kinn von P2 zu stoßen, P2 drückte die herankommende Faust nach außen in Richtung P1 zurück. P1 nahm die Faust wieder zurück und versuchte dann wieder geradlinig zum Kinn vorzustoßen. Wichtig: ununterbrochener Kontakt.

Mittwoch
Mit über 30 °C Außentemperatur war es gestern wieder sehr warm. War es anfangs im Dojo noch recht gut erträglich, so waren am Ende die Gis der Beteiligten nur noch nass.
Dabei passte Andi mit dem Training auf und die Übungen waren gar nicht zu anstrengend, aber vielleicht braucht man momentan gar nicht viel, bis der Schweiß läuft.

Anfangs liefen wir die Katas Heian 1 - 5 und Tekki Shodan. Ohne Zählzeiten und nur mit 50 %, aber mit viel Hüfte und starken und deutlichen Bewegungen.

Kumite-Übungen:
Zuerst wieder Kommando durch den passiven Partner, schnelle Reaktion durch den Angreifer:
"Ichi" -> YA Gyaku Zuki,
"Ni" -> YA Kizami Zuki,

Abwechselnd eine Tritttechnik zum Partner. Sofort wenn P1 seinen Fuß wieder am Boden aufsetzt be und sauber.ginnt P2 mit seiner Tritttechnik. Beide nicht stark, aber kontrolliert

Dann waren die Sentei-Katas dran: Hangetsu, Bassai Dai, Kanku Dai, Jion and Empi.

Wieder Kumite-Übungen, dieses Mal ging der passive Partner immer einen Schritt zurück:
"San" -> Gyaku Zuki Jodan, Gyaku Zuki Jodan,
"Shi" -> überlaufener Gyaku Zuki,

Anschließend wieder die Trittübungen zum Partner. Nicht zu statisch, eher aus einer dynamische Bewegung heraus, Lücken sehen, antäuschen.

Als letzte Kata lief jeder seine nächste Prüfungskata, für die Schwargürtel war Unsu angedacht.

Zuletzt wurden Kataübungen zusammengefaßt und der Angreifer kamm auf Kommando Ichi, Ni, San oder Shi mit der jeweiligen Technik vor.

Am Ende war das Klima im Dojo recht tropisch, die feucht-warme Luft blieb trotz geöffneter Fenster.
 
Freitag
Die Temperaturanzeige im Auto stand immer noch auf 36 °C, aber egal, wenn Training stattfindet, gehe ich hin. Heute übernahm Lukas die Leitung und als unser Kataspezialist konnte es nur sehr lehrreich sein.
Nach etwas Erwärmung und Dehnung begannen wir mit Jion. Wir liefen sie zuerst alle gemeinsam auf Zählzeiten von Lukas, anschließend schaute er uns zu, um zu schauen welchen Stand jeder hatte. Danach teilten wir die Kata auf und liefen sie Stück für Stück. Lukas zeigte und erklärte, wir wiederholten.
Den mittleren Part mit Teisho Uke im Kiba Dachi liefen wir erst mehrmals und trainierten danach mit Partner an der Handpratze. Ungewohnt, aber gut um diese Technik zu verstehen.
Da ich die Jion als meine nächste Prüfungskata gewählt habe, war dieses Training sehr interessant und lehrreich für mich und hat mich der Kata ein ganzes Stück näher gebracht. 

Dienstag, 16. Juni 2026

KW 25, Einfach, aber dennoch anspruchsvoll

Montag
Nach 20 Minuten Erwärmung und Dehnung liefen wir erst einmal Kata:
- Heian 1 - 5,
- Tekki Shodan,
Jeweils 1x, nicht schnell, dafür mit Blick auf unterschiedliche Hüftstellungen zwischen Block- und Angriffstechniken und mit viel Druck nach vorn.

Vor der Spiegelwand:
- YA Kizami Zuki, Gyaku Zuki,
Bahnweise:
- YA Kizami Zuki, Gyaku Zuki,
Mit Partner und Handpratze:
- YA Kizami Zuki,

Eigentlich einfach, aber dennoch anspruchsvoll, alleine schon den richtigen Abstand zu finden. Trifft man die Pratze zu stark, sollte der Abstand vergrößert werde. Mit gestrecktem Arm stossen, dann den Zukiarm schnell wieder zurückziehen.

Danach den gleichen Durchlauf auch für Gyaku Zuki und danach für Gyaku Zuki, Gyaku Zuki.
Wichtig:
- deutliche Hüfte,
- dynamische Bewegung auf den Fußballen, also Fersen stehen nicht auf dem Boden,
- beim Vorgehen im Gyaku Zuki mit YA weit vor und hintere Ferse hoch um mehr heranzurutschen,
- nach Zuki hinteren Fuß leicht wieder heranziehen um einen etwas kürzeren Stand zu haben, um mit dem nächsten Zuki wieder weit vorgehen zu können,

Nun wieder bahnweise mit passivem Partner in bekannter Weise mit "Ichi", "Ni" oder "San":
- "Ichi" = Gyaku Zuki,
- "Ni" = Kizami Zuki,
- "San" = Gyaku Zuki, Gyaku Zuki,
Eine Person gibt für alle nach Zufallsprinzip das jeweilige Kommando, mal schneller, mal langsamer, auch mal das gleiche Kommando mehrmals. Die Angreifer sollen gefordert werden.

Zuletzt liefen wir in Gruppen unsere nächste Prüfungskata, erst gemeinsam langsam mit Zählzeiten, dann jeder für sich und zuletzt jeder für sich 100%. Thommy lief mit mir Jion und gab mir im Anschluss wertvolle Tipps, welche Punkte noch zu korrigieren sind und auf was ich mehr achten sollte, um die langsamen Parts und die schnellen und kraftvollen Bewegungen der Kata mehr hervorzuheben.
Lehrgang in Forst mit Jan Stekly
In drei Wochen geht es
nach Forst zum Lehrgang
mit Jan Stekly.

Mittwoch
Nach dem Training ab nach Hause, geduscht und eine Kleinigkeit gegessen und nun heißt es schnell alles aufschreiben, denn es war nicht wenig heute.
Kihon:
In zwei Reihen aufgestellt, Andi nannte 4er- oder 5er-Kombinationen, welche wir bahnweise 5x wiederholten.

Kumite:
- beide kurzer Abstand, P1 geht 2x mit Gyaku Zuki, Gyaku Zuki vor, dann in andere Richtung P2 zu P1 und wieder zurück,
- P1 greift mit diversen Techniken an, P2 verteidigt nur,
- P1 greift an, P2 verteidigt und kontert wenn es passt,

Pratzentraining:
- P1 hält eine oder beide Handpratzen immer wieder in verschiedenste Positionen, P2 greift mit Technik seiner Wahl zur Pratze an,
- P1 hält eine Pratze auf Schulterhöhe zur Seite, die andere auf Bauchhöhe seitlich nach vorn geneigt, P2 stößt mit Empi (Ellenbogen) zur Seite und dreht sich dabei mit der Stoßrichtung seitlich nach unten, von dort dreht man sich wieder zurück hoch und schlägt einen Haken mit der anderen Faust in die Pratze auf Bauchhöhe.
- P1 hält Pratzen in verschiedensten Stellungen als Ziel, um P2 Zielmöglichkeiten aus beiden vorherigen Varianten zu schlagen,

Jiyu-Ippon-Kumite:
- Oi Zuki Jodan,
- Gyaku Zuki,
- Mawashi Geri,
- Ushiro Geri,

Mit den 4 vorgegebenen Angriffstechniken:
P1 sagt Angriffstechnik an, P2 kommt auf P1 zu, P1 greift bei richtigem Abstand den Herankommenden an, P2 blockt und kontert.
Danach wie zuvor, P2 kontert aber mit Gyaku Zuki, Gyaku Zuki.
Zuletzt sagt P1 eigene Techniken an (1 oder 2) und greift wieder Herankommenden an.

Im Stand 5x Gyaku Zuki zum Partner, dann vor mit Gyaku Zuki, Gyaku Zuki,

Donnerstag, 11. Juni 2026

KW 24, Ausholbewegung ist eine Abwehr

Mittwoch
Nach dem Wochenendlehrgang mit Jonathan Mulolo war gestern wieder reguläres Dojo-Training. Am Montagstraining konnte ich verletzungsbedingt noch nicht teilnehmen, die Schmerzen in der linken Wade waren zu stark und so brauchte ich noch etwas Erholung.
Am Mittwoch trainierte uns Marc. Wir begannen mit Tritten zum passiven Partner. Im Stand mit entsprechendem Abstand zum Partner, hinterer Fuß tritt, vor dem anderen Fuß absetzen und schnell den nun hinteren Fuß weiter nach hinten setzen, so dass ein Wechselschritt entsteht.
- Mae Geri,
- Mawashi Geri,
- Soto Mawashi Geri,
- Uchi Mawashi Geri,

Anschließend die gleichen Tritte mit Pratze, viele Wiederholungen, wieder mit entsprechendem Wechselschritt.
Dann wurde es schwieriger, denn nun waren beide Partner in Bewegung. Der Pratzenhaltende bewegte sich ebenfalls in alle Richtungen, sollte aber dem Angreifer Gelegenheiten bieten, so dass dieser treten konnte. Mit hinterem oder vorderem Fuß war egal, dann treten, wenn es passte.

Danach stellten wir uns einzeln vor den Spiegelwänden auf und trainierten mit Wechselschritt:
- Age Uke / Gyaku Zuki Jodan,
- Uchi Uke / Gyaku Zuki Jodan,
- Gedan Barai / Gyaku Zuki Chudan,
Das Besondere: die Bewegungen sollten runder aussehen. Die Ausholbewegungen stellten den ersten Block dar und geben dem imaginären Zuki bzw. Keri einen Impuls. Die eigentlichen Blocktechniken (Age Uke, Uchi Uke und Gedan Barai) übernehmen und drücken den Stoß oder Tritt zur Seite. Dann eine sofortige Kontertechnik und Wechselschritt.

Nun wieder mit Partner:
1.
Tori vor mit Oi Zuki Jodan,
Uke zurück mit Age Uke / Gyaku Zuki Jodan,
2.
Tori vor mit Oi Zuki Chudan,
Uke zurück mit Uchi Uke / Gyaku Zuki Jodan,
3.
Tori vor mit Mae Geri Chudan,
Uke zurück mit Gedan Barai / Gyaku Zuki Chudan,

Wichtig: an die "Ausholbewegung" denken, das ist der erste Block, die eigentliche Abwehrtechnik ist der übernehmende Block!

Zuletzt liefen wir die Heian-Katas 1 bis 5, jeder für sich 80% Kraft und Geschwindigkeit. Dabei sollten wir die zuvor trainierten Bewegungen im Kopf haben, also Ausholbewegung, Block, Konter.

Freitag
Mit 15 Teilnehmern war das Braun-/Schwarzgurttraining richtig gut besucht. Wie schon am Mittwoch wieder sehr kumitelastig mit viel Abwechslung.
Mit Partner, beide in Kamae, eine Person war dynamischer Angreifer, die andere Person blieb stehen und verteidigte nur mit den Händen und Armen:
- nur Armtechniken,
- nur Beintechniken,
- Arm- und Beintechniken,

Danach beide in Kamae mit kurzem Abstand, P1 Gyaku Zuki / Gyaku Zuki. P2 bleibt passiv stehen.
Der Angreifer arbeitet beim ersten Zuki mit gestrecktem Arm, der zweite Gyaku Zuki und der Schritt sind etwas kürzer, so dass man den Verteiger angedeutet überläuft.
Jetzt P1 geht mit 2x ZK Gyaku Zuki / Gyaku Zuki vor, P2 geht zurück und wehrt mit Te Nagashi Uke ab, dann mit vertauschten Rollen in die andere Richtung.

Weiter vor der Spiegelwand im Kokutsu Dachi Gyaku Zuki / Gedan Barai.
Viel auf die Hüfte achten und wechselseitig Oberschenkel und Po anspannen.
Anschließend mit Partner und Gummiband. P1 hielt das Band gyakuseitig, P2 stand hinter P1 und hielt das Gummiband auf Spannung.

Als nächstes mit wechselnden Partner Jiyu-Ippon-Kumite:
- Oi Zuki Jodan,
- Gyaku Zuki,
- Mae Geri,
Block und Konter waren frei.

P1 sagt Technik an, P2 kam in Kamae auf P1 zu, wenn P1 den Abstand für richtig hielt, griff er an.
P2 blockt und kontert.

Zuletzt wieder Jiyu-Ippon Kumite:
P1 sagt Technik an, kommt auf P2 zu, P2 blockt und kontert, P1 blockt den Konter und kontert seinerseits mit Gyaku Zuki / Gyaku Zuki.
Auch wenn der Abstand für den doppelten Gyaku Zuki recht kurz ist, trotzdem versuchen die Zukis mit gestreckten Armen umzusetzen.

Kata:
- Heian Godan,
- Bassai Sho,
Besonderes Augenmerk auf die Hüftarbeit aus den zuvor trainierten Übungen im Kokutsu Dachi.

Sonntag, 7. Juni 2026

Wettkampf-Lehrgang mit Jonathan Mulolo

Die Waden krampfen, die Fußsohlen schmerzen und ich bin völlig erschöpft, denn ich habe den härtesten Lehrgang hinter mir, an welchem ich jemals teilgenommen habe. Aber es war ein tolles Erlebnis. Freitag und Samstag ging es nach Berlin-Bohnsdorf zu Dorian Hartmann und seinem Karateverein Rotfüchse Berlin e.V., welche den belgische Karateka Jonathan Mulolo für einen Wettkampf-Lehrgang eingeladen hatten. Jonathan war 11x belgischer Meister und 10x Europameister, seit kurzem trainiert er das belgische Nationalteam und so kamen viele der Berliner JKA-Wettkämpfer, um von einem der Besten zu lernen. Und von den Teilnehmern war ich auch noch der Älteste, das hatte ich so auch noch bei keinem Lehrgang.
Die Trainingszeiten waren am Freitag von 17:30 - 19:00 Uhr und 19:00 - 21:00 Uhr. Am Samstag von 10:00 - 12:30 Uhr und 13:30 - 15:30 Uhr, also mit bis zu 2,5 Stunden für eine Einheit schon sehr lang.
Das Freitagstraining war intensiver und härter als eine normale Trainingseinheit im heimischen Verein, war aber noch nichts gegen den folgenden Tag.
Am Samstag teilte uns Mulolo Sensei mit, dass es nun definitiv härter wird und wir jetzt wie das belgische Nationalteam trainieren werden. Und so wurde es auch, sehr gut, aber anstrengender als ich es mir je vorgestellt hätte.
Schwerpunkt des Lehrgangs war Wettkampf-Kumite. Distanz, Bereitschaft, Schnellkraft, den Gegner beobachten, sehen und agieren. Zu Beginn jeder Einheit eine ordentliche Erwärmung mit Lauf- und Sprintübungen, Circletrainings, vielen Situps, Burpees, Liegestütze, allein am Samstag über 70 Minuten Kondition im ersten Training.
Wir arbeiteten hauptsächlich mit Kizami Zuki, Gyaku Zuki und Mawashi Geri, einzeln, als Zweier- oder Dreierkombination, Abstand verkürzen, angreifen, dabei Zukis vorschnellen lassen und schnell wieder zurückziehen. Was gibt den Ippon, also die Punkte im Kampf. Dazu passende Abwehr mit Te Nagashi Uke und Nagashi Uke und entsprechende Konter mit Gyaku Zuki oder einer Zukifolge, im Go no sen und sen no sen und immer mit Zanshin.
Jonathan Mulolo erklärte, zeigte vor, half und korrigierte und ließ uns wiederholen und wiederholen. Die Trainings mit Partner wurden ausschließlich mit Zahn- und Faustschützern durchgeführt, einfach sicherer, wenn man so am Limit agiert.
Nach jeder Einheit wurden mehr Füße verbunden aufgrund der vielen Blasen und das Auftreten und Gehen wurde immer schwerer. Das Niederknien zum Seiza in der letzten Einheit muss von außen fast lustig gewirkt haben und am Ende hatte kaum noch jemand einen sauberen Gang.
Danke an die Rotfüchse Berlin und Mulolo Sensei für diese lehrreiche und intensive Erfahrung, welche man bestimmt nicht so schnell vergisst.

Dienstag, 2. Juni 2026

KW 23, Wünsche zum Beginn

Montag
"Gibt es Wünsche für das Training?" fragte Thomas zu Beginn und es kamen gleich diverse Vorschläge wie Jiyu Ippon Kumite, Yoko Geri und Kata. Wenn in einer Erwachsenentrainingsgruppe zwischen orangen und schwarzen Gürteln die Teilnehmer sich auch selbst einschätzen können, was verbessert werden kann, macht es einfach Spass.
Nach den obligatorischen Erwärmungs- und Dehnungsübungen ging es mit etwas Kihon weiter. Dazu wurden je nach Graduierung verschiedene Kombinationen angesagt, welche wir bahnweise 4x bis 5x wiederholten.

Anschließend war dann Kumite dran:
- Kihon Ippon Kumite,
- Kaeshi Ippon Kumite,
Oi Zuki Jodan, Oi Zuki Chudan, Mae Geri, Yoko Geri, Mawashi Geri,

- Jiyu Ippon Kumite,
Kizami Zuki, Oi Zuki Jodan, Oi Zuki Chudan, Mae Geri, Yoko Geri, Mawashi Geri, Ushiro Geri,

Den Gegner anschauen, beobachten, bereit sein - Zanshin eben. Und nun kommt es daraof an: welchen Block wende ich an, zu welcher Seite geht man raus, mit welcher Technik kontere ich? Damit diese Kette funktioniert, sollte ich vorher wissen, wenn man nach rechts oder links rausgeht, dann bieten sich bestimmte Körperbereiche an, zu denen man mit bestimmten Techniken kontern kann. Dieses Zusammenspiel muss funktionieren, denn man hat im Kumite kaum Zeit, darüber nachzudenken. Das heißt nicht, dass jeder Konter auch in diesem Moment funktioniert, aber zu 90% sollte er es. War der Block nicht optimal, ist man zu weit zurückgegangen, ist der Gegner zu nah gekommen, kommt man mit dem Konter nicht richtig ran, ist der Bereich des Gegners nicht wirklich frei. Es gibt viele Dinge, welche Einfluss haben, aber das meiste kann man trainieren und ein paar Prozent Glück und Pech gehören auch dazu.

Mittwoch
Beginn mit Kata:
- Heian 1 -5,
- Tekki Shodan,
Jede Kata wurde von einer anderen Person gezählt. Nicht schnell, aber dafür den Fokus auf die Punkte setzen, welche in den letzten Wochen vermehrt trainiert wurden, wie z.B. Hüfte beim Wechsel zwischen Block- und Angriffstechnik (besonders im Kokutsu Dachi).

Im Kumitetraining ging es hauptsächlich um den überlaufenen Gyaku Zuki.
1.
Beide Partner stehen sich in Kamae gegenüber. Mit der vorderen Hand wird ein- bis zweimal "gestört", heißt die vordere Hand des Partners wird etwas nach außen geschlagen, wodurch der Partner abgelenkt wird. Nun wird mit der Gyaku-Hand die vordere Hand des Partners nach innen geschlagen und sofort mit der Oi-seitigen-Hand übernommen und zum Körper des Partners gedrückt. Die Gyaku-Hand stieß nun mit Zuki Jodan vor.
2.
Die vordere Hand "stört", die Gyaku-Hand drückt die vordere Hand des Partners nach innen und der Angreifer nutzt die nun freie Seite und tritt mit Mawashi Geri auf Gürtelhöhe. Dabei das Knie so anreiße und eindrehen, dass es schon bis zur Körpermitte des Partners zeigt. Dann den Unterschenkel schnappen lassen. Smoit kann man sicher sein, dass auch bei leichter Seitwärtsbewegung des Partners der Tritt trifft, bewegt er sich nicht, geht der Tritt (theoretisch) durch.
3.
Wie 1., nur dass nach dem Zuki der Gyaku-seitige Fuß leicht nach außen gestellt wird, die zuvor nach innen gedrückte Hand mit "schwerer" Hand wieder nach außen gedrückt wird und man mit Mawashi Geri zur jetzt wieder offenen Seite des Partners tritt.
Wichtig: vor dem Tritt die Hand/Handgelenk des Gegners nicht greifen oder festhalten. Dadurch würde man den Gegner eher heranziehen und und man sich selbst einem Zuki des Gegners ausliefern.

Zum Ende waren dann wieder die Kommandos 1 bis 4 dran und so langsam ist man ganz gut drin.
Der passive Partner sagte die Kommandos an und ging auf Abstand mit, der Ausführende musste dranbleiben und treffen:
"Ichi" -> YA Gyaku Zuki,
"Ni" -> YA Kizami Zuki,
"San" -> Gyaku Zuki Jodan, Gyaku Zuki Jodan,
"Shi" -> überlaufener Gyaku Zuki wie zuvor trainiert,
Mehrere Bahnen und sich immer wieder verbessern.

Nach dem Training wurde dann noch bei dem ein oder anderen Kaltgetränk in entspannter Runde auf einen Geburtstag angestoßen.


Freitag und Samstag geht es nach Berlin Bohnsdorf. Dorian und die Rotfüchse Berlin e.V. haben den Belgier Jonathan Mulolo für einen Kumite-Lehrgang zu Gast.

Montag, 1. Juni 2026

Eigentliche Wochenendplanung

Manchmal läuft es anders als geplant. Eigentlich waren für dieses Wochenende einerseits Kyu-Prüfungen in unserem Verein angesetzt, andererseits veranstaltete der Berliner Fujinaga-Verein zur Feier seines 30-jähriges Bestehens einen Lehrgang mit Nemoto Takechiyo Sensei aus Japan. Beides stand im Kalender und ich war hin- und hergerissen, wie ich es koordiniere, auch beides unter einen Hut zu bringen. Geplant war es dann so: Freitag Lehrgang, Samstag Prüfung, Sonntag Lehrgang. Vor einer Woche kam Andi dann auf mich zu und meinte, dass er mich lieber erst zum Ende des Jahres gemeinsam mit drei anderen Teilnehmern zum 1. Kyu prüfen würde. Für diese Prüfung zum letzten Kyu bereitet er gern sehr intensiv vor und würde sich und uns entsprechend mehr Vorbereitungszeit nehmen wollen. Das war für mich völlig in Ordnung, hörte ich doch mittlerweile von mehreren Leuten aus dem Verein, dass die Prüfung zum 1. Kyu im Tonbo-Verein sehr schwierig ist.
"Zum 1. Kyu? Oh, das wird hart!"
"Prüfungsordnung? Vergiss sie, es wird definitiv anders." (lachend)...
"Die Prüfung zum 1. Kyu hier ist wie die Dan-Prüfung woanders."
Das waren nur einige Aussagen, welche ich im Vorfeld zu hören bekam.
Somit war der Weg frei für ein komplettes Lehrgangswochenende. Dachte ich. Denn im engeren Familienkreis gab es zwei Geburtstage, auf die es anzustoßen galt und da man ja nie weiß, was morgen ist und wieviel Zeit man miteinander verbringen kann, plagt mich etwas das schlechte Gewissen. Hatte ich doch im vergangenen Jahr für mich beschlossen, dass Familie und Gesundheit Vorrang haben (sollten).
Nur am Sonntag wollte ich dann auch nicht zum Lehrgang, denn oftmals steht hinter einem dreitägigen Lehrgang ein Plan, eine Idee und da ist mein Respekt vor dem Veranstalter zu groß, um "mal vorbeizuschauen". Salz in die Wunde streute dann Dorian, welche mir Sonntag kurz vor Trainingsbeginn schrieb: "Bist ja gar nicht da", denn er schaute dort vorbei. Arghhh....
Die Zeit mit der Familie bzw. Verwandtschaft war richtig schön und hat einfach Spaß gemacht, aber mit mir gehadert habe ich bis zum Sonntagabend doch etwas. Schon spannend, wie wichtig Karate für mich geworden ist.